Das Lesen und Hören der Evangelien ist wie das Blättern in einem Erinnerungsbuch, in einem Fotoalbum, in dem uns Bilder vor Augen treten, die wir manchmal schon kennen, die aber aus dem Einstigen heraustreten und neu lebendig werden. So sehen wir in dem Bild von den Jüngern im Seesturm etwas allzu Bekanntes, das manche, wie Klaus Berger sagt, als gute Zirkusnummer missverstehen, wenn Jesus mitten im Sturm dazukommt und dem Sturm gebietet.
Es ist ein Bild für die Kirche durch alle Zeiten hindurch, wenn Jesus Petrus auffordert aus dem Boot herauszukommen: da, wo Petrus mehr bei Jesus ist als bei sich selbst, da wird er über das Wasser getragen. Da, wo er sich bewegen lässt von der Dynamik seines Glaubens, seiner Hoffnung und seiner Liebe, da, wo diese Dynamik stärker ist, da kann er unbeirrt standhalten, da aber, wo er in Selbstmitleid und Selbstbetrachtung gefangen bleibt, da droht er unterzugehen.
Die Verklärung Jesu auf dem Berg ist eine Vorausverkündigung und eine Vorausverdeutlichung einer in Gott befreiten und einer auf immer mit Gott geeinten Schöpfung.
Wie sich für Mose im brennenden Dornbusch etwas von dem zeigt, wenn irdische Materie von Gottes Herrlichkeit erfasst wird, ohne zerstört zu werden, so sehen auch die Jünger auf dem Berg, wie Gottes Gegenwart durchlichtet und durchleuchtet und die Menschennatur des Sohnes verwandelt. Was sich am Leib Christi darstellt, das möchte sich an allen Gliedern ebenso vollziehen, am liebsten in der ganzen Menschheit, dass sie hineingenommen wird in das göttliche Licht.
Im Hinblick auf unser eigenes Leben, auf das Leben mit anderen und auf unser Leben mit Gott, sagen die Gleichnisse vom Himmelreich, wie Jesus sie erzählt, immer das Gleiche aus: man muss ein Suchender sein, um das wirklich Kostbare zu finden und man muss einiges an Mühe auf sich zu nehmen bereit sein, um auch den wahren Schatz zu finden. Der Schatz ist nur mit dem Acker zu haben.
Eine Auslegung des Gleichnisses von der wachsenden Saat
Die offenen Arme des Kreuzes und das offene Herz befreien vom Blick auf das eigene Ich und laden ein, sich nicht zu scheuen, die Last des anderen zu tragen, fernab von Lustgewinn und Wellnessmentalität, die den Blick des Menschen auf das eigene Ich zum obersten Lebensprinzip erheben.