Das Weinstocksgleichnis spricht davon, dass wir nicht nur Almosenempfänger vor Gott sind, sondern dass wir selbst mittun dürfen und einsetzen sollen, was wir an Gaben empfangen haben. Kein Bereich unseres Lebens soll dem göttlichen Leben entzogen sein, so dass alles in uns zu mehr Schönheit, zu mehr Fülle und mehr Strahlkraft gelangen kann. In unserem ganzen Sein dürfen wir etwas von der Schönheit, Kraft und Güte Gottes offenbaren.
Wenn Jesus von sich als dem Hirten spricht, dann meint er nicht, dass es einen klugen, intelligenten Vortsteher gibt und dahinter oder darunter diejenigen, die ihm sozusagen hinterhertrotteln! Nein, das Verhältnis, das Jesus hier vor den Augen seiner Zuhörer entfaltet, ist ein vertrautes und anspruchsvolles. Die Schafe kennen die Stimme des Hirten, und sie folgen ihm, weil sie wissen, dass sie ihm blind vertrauen können. Und der Hirte ist kein bezahlter Angestellter, der nur seinen Job tut. Auch er weidrum kennt seine Schafe und gibt alles für sie, auch sein Leben. Es ist ein enges Vertrauensverhältnis, das uns hier vorgestellt wird! Von Unterwerfung oder demutsvoller Unkenntnis weit entfernt! Auch wir sind eingeladen, Hirte für andere zu werden, indem wir der Spur dieses Hirten folgen.
Es ist eine ungeheure Horizonterweiterung, die Jesus den Jüngern hier in der Begegnung und in der Berührung mit seinem Auferstehungsleib schenkt.
Schon im irdischen Leben Jesu zeigt sich, dass unser Leib zu einer größeren Herrlichkeit, ja, man könnte sagen, zur Schwerelosigkeit, berufen ist.
Wir sind wirklich zur Herrlichkeit berufen – aber nicht ohne unseren Leib!
Jesus geht verborgen den Weg der Fragenden mit: weder macht er schnelle Lösungsvorschläge noch belehrt er sie von oben herab. Den Schmerz und die Fragen der Jünger, die aus Jerusalem fortgegangen sind, um das Weite zu suchen, nimmt er wahr, fragt nach ihnen und nimmt ihren Schmerz ernst. Am Ende offenbart er sich als derjenige, der sie nie verlassen hat!
Gott macht alle Verheißungen wahr…