Es ist keine einfache Situation, der sich die Eltern Jesu hier gegenübergestellt sehen: das Kind ist weg, unauffindbar, man selbst in größter Angst, Sorge und Ungewissheit und, als man es endlich findet, antwortet es nur: „Wusstet ihr denn nicht…?“ – Es ist wie ein Bruch der in die harmonische Entwickung kommt, in der Jesus wohl zuvor aufgewachsen ist – so wie jeder andere Mensch- , denn hier deutet sich zum ersten Mal an: er handelt so, wie er handeln muss, es ist göttliche Sendung und es ist Auftrag. Die Eltern erschrecken, denn sie kennen die Weissagung des alten Simeon im Tempel in den ersten Tagen nach der Geburt des Kindes, der prophezeit hat, dass das Kind Ablehnung und Widerstand erfahren wird. Und die Eltern stehen wohl vor der aufrichtigen und bangen Frage: „Ist es jetzt so weit?“
Die leuchtende Gestalt des Stephanus, die „erfüllt mit Geist und Weisheit“ beschrieben wird, ruft eine ambivalente Reaktion hervor: das göttliche Licht wird einerseits ersehnt von den Menschen, aber es ist auch in der Gefahr, erstickt und beseitigt zu werden. Stephanus, erfüllt vom Hl. Geist, im Angesicht des Göttlichen, reagiert auf die Bosheit nicht mit einem verhärteten Herzen, sondern mit einem geöffneten. Als die Steine der Anklage auf ihn niederprasseln, reagiert er in der Macht, die Bosheit in Liebe zu verwandeln. Sein geöffnetes Herz ist die spiegelbildliche Erscheinung des geöffneten Himmels über ihm.
Das Weihnachtsevangelium hat nichts von seiner ursprünglichen Kraft und Schönheit verloren. Auch wenn wir es schon viele Male im Verlauf unseres Lebens gehört haben, es hat immer noch die Kraft, unsere Herzen nicht nur zu berühren, sondern unsere Herzen zu verwandeln und zu erneuern.
Es zeigt sich eine Art Kettenraktion, wie hier, in der Begegnung von Maria und Elisabeth, einer den andern berührt und die Gande des Einen zur Gnade und Erkenntnis des andern wird. Weil Maria ihr Ja gesprochen hat, kann sie Elisabeth so grüßen, dass selbst Johannes im Schoß der Mutter von der Freude ergriffen wird. Und diese spürbare Freude des Johannes wird zur Freude Elisabeths, die wiederum den Glauben Marias preist, so dass Maria den überwältignden Lobpreis über die Taten des Herrn an ihr und an allen Geschlechtern, die ihr vorausgegangen sind, singen kann. Es ist ein Ineinaderwirken des Einen mit dem andern, so dass in dieser Begegnung etwas vom innersten Wesen der Glaubensgemeinschaft sichtbar wird.