Es ist seltsam, dass Jesus einen Verwalter in seinem Gleichnis heranzieht, der eher als Betrüger denn als ein Vorbild erscheint. Wie soll man dieses unverständliche Loben verstehen: Jesus „lobt die Klugheit des unehrlichen Verwalters.“ – einen Mann, der die Situation der anderen ausnutzt, um selber gut wegzukommen, einen Mann, der dazu anhält, Schuldscheine zu fälschen, um seinen Herrn zu hintergehen, einen Mann, der taxiert, wie er selbst gut davon kommt!Ist das eine Klugheit, die man loben kann?
Ist der Schlüssel zum Gleichnis, dass im griechischen Text steht, dass er der „Verwalter der Ungerechtigkeit“ ist? Das hieße, dass Reichtum und Geld in dieser Welt immer etwas mit Ungerechtigkeit zu tun hat. Oder liegt der Schlüssel darin, dass der Verwalter verstanden hat, dass er nur noch eine bestimmte und begrenzte Zeitspanne hat, um noch zu handeln? Es ist doch erstaunlich, dass Jesus hier so deutlich „die Kinder dieser Welt“ von den „Kindern des Lichtes“ unterscheidet. Letztere können lernen, sich Freunde zu machen und alles in Liebe zu verschenken. Alles, was uns anvertraut ist, soll dem Frieden, der Versöhnung und der Liebe unter den Menschen dienen.
Jesus stellt in drei Gleichnissen als Selbstverständlichkeit vor Augen, was keine Selbstverständlichkeit ist, zumindest nicht in unserer Welt. Wer würde schon einem einzigen verlorenen Schaf nachgehen, wenn sich dabei die anderen 99 verirren und zerstreuen würden? Wer würde seinem herumvagabundierenden Sohn ein öffentliches Freudenfest geben, nur weil er in Schimpf und Schande heimkehrt?
Vielleicht möchte Jesus in seinen Gleichnissen eine tieferliegende Wahrheit vorstellen, die wir entgegen all unseren Erfahrungen glauben wollen und hoffen, dass es so sein könnte. Der Vater im Himmel kann erst dann ein Freudenfest feiert, wenn das Verlorene, das noch fehlt, wiedergewonnen ist und wenn wir seine Sorge teilen.
Den Sinn des Kreuzes wiederfinden.
„Der Mensch findet nur seine tiefste Freude und Erfüllung, wenn er sein Leben an einen anderen Menschen verschenkt.“ (Johannes Paul II.)
Aus der Studie zweier Soziologen im Jahr 2005 unter amerikanischen Jugendlichen konnte man deren Religiosität und deren Glaubensbekenntnis ablesen. Sie glauben an einen Gott, der Schöpfer der Welt ist und sie glauben, dass gute Menschen in den Himmel kommen, dass es wichtig ist, gut miteinander umzugehen und dass das wichtigste Ziel im Leben ist, glücklich zu sein! Zunächst sind das Aussagen, die durchaus in der Nähe des christlichen Glauben zu liegen scheinen. Aber ist das schon alles? Laut der Soziologen könnte man in der Spiritualität dieser Glaubensbekenntnisse eine zeittypische Prägung der Ich-Orientierung und des Wohlergehens sehen, die sogar still und unbemerkt in der Verkündigung der Kirchen übernommen wird. Wenn es aber nur um mich und mein Wohlergehen geht, wo bleibt da das spezifisch Christliche, das Kreuz – eine Liebe, die bis zum Äußersten geht, auch wenn es das Leben kostet?