Wir können uns nicht selber, am eigenen Schopf, aus dem herausziehen, was uns fesselt und bindet. Es braucht einen, der uns an der Hand nimmt und herausführt! Die Kirchenväter deuten den Moment, wo Johannes der Täufer im Bauch seiner Mutter aufhüpft vor Freude als den Moment, wo er von der Last der ererbten Menschheitsschuld befreit wird, von der Knechtschaft der Sünde, vom drückenden Joch, das auf jeder Schulter ruht, weil Christus nahe ist. Erlöst sein heißt, zutiefst befreit sein und aufatmen können, weil Gott in die Nähe kommt und er Mensch aus seiner Isolation herausgeführt wird. Da, wo der Herr nahe ist, kann das Herz des Menschen froh und frei werden.
Eure Güte werde allen Menschen bekannt.“ (Hl. Paulus)
Je dramatischer die Situation ist, desto mehr müssen die Christen Zuversicht verbreiten. Wir erfahren eine gewisse Machtlosigkeit. Vielleicht tut es uns gut, uns machtlos zu fühlen, weil wir uns dann ganz auf den Herrn verlassen müssen.
Meine flehentliche Bitte ist, dass wir nichts tun, was zur Spaltung in der Gesellschaft beiträgt. Denn die Spaltung ist immer ein Einfallstor für das Böse.
Der Advent spiegelt die Grundform des christlichen Lebens, denn für den Christen ist eigentlich immer Advent! Dies soll uns in der Adventszeit neu bewusst werden: dass wir in der ständigen Ausrichtung auf den Herrn sind, Ausschau haltend, wie Jesus in die Armut des menschlichen Fleisches gekommen ist und Ausschau haltend nach dem Herrn, wie er am Ende wiederkommt, auf den Wolken des Himmels. Und beides verknüpft Jesus mit dem Begriff des „Menschensohns“.
„Mein Reich ist nicht von dieser Welt.“ – so antwortet Jesus dem Pilatus auf seine Frage. Und er stellt uns heute vor die gleiche Entscheidung wie damals den römischen Statthalter, der nun in einer Antwort Stellung beziehen müsste. Auch wir stehen vor der Frage, ob wir das Reich, das Wahrheit, Gerechtigkeit, Liebe und Frieden ist, in unserem Leben aufzurichten bereit sind und dem König, der sich selbst als die Wahrheit bezeichnet, auf seinen Spuren folgen wollen.
Es ist, als würde Jesus mit dieser Antwort dem Pilatus sagen: „Du musst keine Angst vor mir haben, mein Reich ist nicht von hier , keiner nimmt dir etwas – denn es ist ein verborgenes Königreich, es ist ein Reich der Herzen!“ Und dieses Reich, das Jesus an anderer Stelle eine kostbare Perle, einen Schatz im Acker nennt, finden nur die, die bereit sind, den Acker umzugraben und alles dafür zu geben.
Die Worte heute sind wie ein Tryptichon – jedes Wort gibt dem anderen sein Gewicht.
Christus ist erhöht und wartet.
Aber erst wenn jedes Glied seines Leibes bereit ist und erlöst und befreit werden will, kann er die Schöpfung erlösen. Es fällt uns schwer zu warten! Und es ist schwer zu ertragen, dass er dem Recht nicht endlich zum Durchbruch verhilft. Aber er ist da. Das Opfer ist gebracht und die Erlösung ist geschehen.